Besuch in der Muster-Wohnung für barrierefreies Wohnen für Senioren und behinderte Menschen in Stuttgart West
Wie kann ich möglichst gut und lange zu Hause in meiner vertrauten Umgebung leben? Welche Möglichkeiten habe ich, meine Wohnung umzugestalten und wer unterstützt mich dabei? Welche Alternativen gibt es zum Pflegeheim?
Mit diesen Fragen und möglichen Optionen beschäftigten sich Mitglieder der Bezirksgruppe Stuttgart und ihre Begleitpersonen bei einem Besuch der barrierefreien Musterwohnung und einem anschließenden Vortrag der Fachstelle Wohnen zur Pflege-Wohngemeinschaft.
In der barrierefreien Musterwohnung des Deutschen Roten Kreuzes, auch als „Werkstatt Wohnen“ bekannt, finden sich Produkte und bauliche Lösungen, die den häuslichen Alltag für ältere oder behinderte Menschen erleichtern. Die Musterwohnung ist aufgebaut wie eine normale Wohnung mit Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer. Wir lernten dort verschiedene Hilfsmittel und bauliche
Anpassungen kennen, die zu einem möglichst eigenständigen Leben verhelfen. Die „Werkstatt Wohnen“ ist beim KVJS (Kommunalverband für Kinder und Jugend) in der Lindenspürstraße 39, Stuttgart West untergebracht. Bzw. es handelt sich dabei um ein rotes Gebäude im Hinterhof, zwischen Hausnr. 35 und 37.
Wer nicht am Termin dabei sein konnte, kann auch eigenständig an einem Besichtigungs- oder Beratungstermin teilnehmen. Für sehbehinderte Interessenten ist möglicherweise auch eine Online-Führung hilfreich. Die Wohnberatung bietet offene Termine zur Besichtigung an, steht aber auch bei Sprechstunden für spezielle Fragen zur Verfügung. im Bericht sind Termine und Kontaktdaten aufgeführt. Zudem ist auch eine individuelle Beratung im eigenen zu Hause, mit einer Unterstützung zur Antragsstellung bezüglich der Finanzierung z. b. über die Stadt Stuttgart möglich. Hierfür erstellt die Wohnberatung auch entsprechende Gutachten.
Schon am Zugang zur Werkstatt wohnen findet man vorbildlich optisch markierte Treppenstufen, die mit 12 cm flacher sind und mit einer größeren Trittlänge ausgestattet sind, als man dies üblicherweise kennt. Es sind beidseitig Geländer vorhanden mit einer geschlossenen Form, die mit taktilen Elementen vor und nach der Treppe versehen sind. Das Geländer beginnt vor der Treppe und endet erst nach der letzten Stufe.
Auch eine Rampe bietet einen vereinfachten Zugang zur Wohnung mit einem Rollstuhl oder Rollator an. Dabei ist der Anstieg von sechs Prozent so gewählt, dass ein Zugang auch ohne den Einsatz eines E-Rollstuhls möglich ist. Es sind beidseitige Radabweiser in Form einer Mauer vorhanden und eine Ruhefläche sowie Rangier- und Bewegungsflächen vorhanden. Der Bodenbelag ist rutschhemmend. Diese Ausführungen sind z. B. in der DIN18040 Teil 2 zu finden. Alternativ kann jedoch oft auch ein Treppenlift in unterschiedlicher Ausführung helfen.
In der Küche fanden wir neben einem mit Punkten markierten Herd und Backofen, erreichbar ohne bücken, auch eine Arbeitsplatte, die höhenverstellbar ist oder auch gleich auf eine individuelle Höhe eingebaut werden kann, wie auch entsprechende Oberschränke. Diese konnten bei Bedarf auch heruntergefahren werden, um einfacher etwas entnehmen zu können. Die Küchengeräte sollten entsprechend den Arbeitsabläufen in der Küche angeordnet sein, so ist zum Beispiel die Spülmaschine in der Nähe des Spülbeckens oder dem Mülleimer sinnvoll. I. d. R. wird dies auch von Küchenstudios berücksichtigt. Es gab dort neben einer sprechenden Waage auch eine Teekanne, die ein vereinfachtes Einschenken durch neigen möglich macht und nicht angehoben werden muss. Neben gut zu greifendem Besteck wurde von uns jedoch anderes Besteck als sehr kritisch gesehen, da die runden Griffe für blinde Menschen schwierig in der Handhabung sind, da sich sonst Messer und Gabel ständig verdrehen.
Für Küchengeräte mit Markierungen und Sprachausgabe für sehbehinderte und blinde Menschen wurden wir auf die Firma Feelware hingewiesen. Diese bietet bereits markierte Geräte oder mit Sprachausgabe kombinierbare Küchengeräte an. Dazu gehören natürlich auch für uns lesbare Bedienungsanleitungen, die sonst oft mit vielen Bildern versehen, wenig hilfreich für uns sind.
Die Firma Feelware unterstützt auch bei der Beantragung, was durch die Aufnahme ins Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen erleichtert wurde. Bei Bedarf verweist Feelware auch an Händler vor Ort.
Des Weiteren bot in der Musterwohnung ein, an der Wand befestigter Tisch mit umlaufender Haltemöglichkeit zwar eine stabile Stütze beim Aufstehen, die eigentliche Tischplatte aber schien uns daher für Mahlzeiten zu weit entfernt. Ein Stuhl, mit einem Federmechanismus ausgestattet, der, durcheinen kleinen Schubs das Aufstehen erleichtert, hatte es uns jedoch sehr angetan, wie auch der Kleiderschrank, bei welchem die Kleiderstange heruntergefahren werden kann. Für kleinere Menschen bietet dieses eine praktische Alternative zum allgegenwärtigen Leiterle. Auch ein Pflegebett kann heute schon in einem Ehebett eingebaut werden. Spezielle Bettvorleger zeigen an, wenn jemand aufsteht, der dies nicht tun sollte und stellt somit auch eine gute Alternative zur fraglichen Fixierung dar. Spezielles Licht, vom Spektrum dem Tageslicht angeglichen, kann sich positiv auf die Stimmung auswirken. Spezielle Greifmöglichkeiten mit Verlängerungen können helfen auch selbstständig Fenster zu öffnen, was uns auch für kleinere Personen und schwierig erreichbare Fenster z. B. hinter einer Küchenzeile, als sehr praktisch erschien.
Im Bad lernten wir neben Einstiegsmöglichkeiten für die Badewanne auch einen Lift für den erleichterten Zugang kennen. Wir erfuhren zudem von verschiedenen Fliesen und deren rutschhemmender Wirkung. Im privaten Gebrauch werden in der Regel Fliesen bis zur Rutschhemmklasse R11 verlegt. Fliesen mit der Klasse R9 reichen meist im privaten Wohnraum aus, Fliesen mit der Klasse R10 werden häufig fürs barrierefreie Bauen verwendet. Wir lernten, dass zur Not auch mit einer Pumpe, alle Duschen mit einem ebenerdigen Einstieg versehen werden können und Waschbecken auch höhenverstellbar sein können. Es gab neben diversen Ideen für Griffe und Haltestangen auch gut greifbare stabile Türklinken. Besonders angetan hatte es uns der Ganzkörper-Föhn, den ich vor allem im Winter auch gerne zuhause hätte, um mich nach dem duschen schön warm trocken zu blasen.
Termine Musterwohnung
Eine offene Führung in der „Werkstatt Wohnen“ der barrierefreien Musterwohnung des KVJS findet in der Lindenspürstraße 39, 70176 Stuttgart West, statt. Eine vorherige Anmeldung über das DRK Stuttgart ist erforderlich! Unter: E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Oder Telefon: 0711 / 2808-1331
Eine Anmeldung zur offenen Sprechstunde ist hingegen nicht notwendig. Die offene Sprechstunde findet am ersten Donnerstag im Monat, 16 – 18 Uhr statt. Während der offenen Sprechstunden stehen Ihnen Mitarbeiter des DRK mit fachlichem Rat zur Verfügung. Bei Wohnberatungsfragen hilft Ihnen die DRK-Wohnberatung:
Tel.: 0711 2808-1334
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Es kann dort auch ein Termin für den Umbau des eigenen Zuhauses angefragt werden.
Verfasserin: Bianka Haacker