Bericht erstellt von: Bianka Haacker, ergänzt durch Regine Sigl
Mit diesem durchaus zutreffenden und zeitlosen Zitat von Friedrich Hölderlin, was zu den einfacher verständlichen seiner Aussagen gehört, wird dieser Bericht eingeleitet:
„Es wird uns leicht, etwas durchzusetzen, sobald wir nur nicht ans Ziel getragen sein, sondern mit eigenen Füßen gehen wollen und es nicht achten, wenn zuweilen ein hartes Steinchen die Sohle drückt. Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der gerade oft die besten Menschen scheitern.“
Im August machten wir uns von der Bezirksgruppe Stuttgart, sowie Mitgliedern aus umliegenden Bezirksgruppen mit insgesamt 20 Personen bei recht heißen Temperaturen auf zu einem kulturellen Ausflug mit anschließender vierstöckiger Weinprobe. Ziel war das Hölderlinhaus in Lauffen am Neckar. Die gemeinsame Anreise am Samstag, 17. August 2024 ging pünktlich ab Stuttgart Hbf um 11:19 Uhr los. Am Bahnhof Lauffen wurden wir von der Organisatorin dieses Tages, Regine Sigl und ihrem Mann, sowie zusätzlicher Begleitpersonen begrüßt. Ein Spaziergang führte uns zum Hölderlinhaus. Im dortigen Café kamen wir erst einmal an und stärkten uns bei gemeinsamen Gesprächen mit leckeren Butterbrezeln und auch süßen Köstlichkeiten. Gegen 13:30 Uhr startete dann unsere Führung. Zuerst gab es im Hof eine Statue von Hölderlin, die wir erkundeten. Er wird oft mit einem klassischen, eleganten Aussehen beschrieben, das typisch für seine Zeit war. Hölderlin hatte langes, glattes Haar, das oft in der Mitte gescheitelt war, ein schmales, ernstes Gesicht, helle Augen und eine schlanke Statur. Er trug häufig die Kleidung eines gebildeten Mannes seiner Zeit, was oft einen langen Mantel, eine Weste und ein Hemd mit hohem Kragen umfasste. Sein Aussehen wird auch als vornehm und intellektuell beschrieben, passend zu seiner Rolle als Dichter und Denker. Im Gebäude ist eine kleinere Nachbildung von Hölderlin vorhanden, welche Details noch besser fühlbar macht. Regine und Bianka gefielen sein schmales Gesicht und seine langen Haare sowie sein schlanker Körperbau ausnehmend gut.
Auf der Internetseite
https://www.lauffen.de/website/de/freizeit/museen/hoelderlinhaus
ist zum Museum zu lesen:
„Das heutige Hölderlinhaus wurde 1743 vom Großvater des Dichters erworben und bis 1750 zu einem repräsentativen Barockhaus um- und ausgebaut.
Bis 2015 in Privatbesitz, wurde es bis 2020 grundlegend und denkmaltechnisch sorgfältig saniert und zum 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins eröffnet.
In vier Ausstellungsräumen präsentiert das Museum Hölderlinhaus in Briefzitaten und Gedichtausschnitten zahlreiche Persönlichkeitsfacetten des sprachgewaltigen Dichters: …“
Zusätzlich zur persönlichen Führung gibt es auch einen Audioguide. Das Haus ist barrierefrei, es gibt auch einen Aufzug. Gemäß seiner Aufenthalte und Stationen im Leben, gibt es drei Museen in unterschiedlicher Darstellung seines Lebens und seiner Dichtkunst. Neben Lauffen kann man in Nürtingen und Tübingen auf den Spuren von Hölderlin wandeln.
Friedrich Hölderlin wurde am 20. März 1770 in Lauffen geboren. Sein Vater war Verwalter des Klosterhofs. Er starb bereits zwei Jahre nach der Geburt Hölderlins. Seine Mutter heiratete bald darauf ein zweites Mal und zog 1774 nach Nürtingen. Von seiner Mutter zum Pfarrerberuf bestimmt, auch weil dies keine Studiengebühr kostete, studierte Hölderlin 1788 bis 1793 im Tübinger Stift Theologie. Während der Studienzeit veröffentlicht er erste Gedichte und arbeitet an seinem Roman „Hyperion“.
Hölderlin ist zu Zeiten der französischen Revolution auf der Seite der menschlichen Rechte, lehnt aber den Jakobinerterror strikt ab. Pfarrer möchte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr werden, wollte es möglicherweise auch noch nie.
Nach gut bestandenem Examen erhält er auf Vermittlung Schillers eine Stelle als Hauslehrer bei Charlotte von Kalb. Schiller veröffentlicht 1794 ein Fragment seines Romans „Hyperion“, der 1797 erscheint; der zweite Band folgt 1799. Im selben Jahr hält sich Hölderlin längere Zeit in Jena und Weimar auf, wo er häufig Schiller besucht und bei diesem mehrfach mit Goethe zusammentrifft. 1795 bis 1798 ist er Hauslehrer bei der Frankfurter Bankiersfamilie Gontard. Er verliebt sich in dessen Ehefrau Susette, die er als „Diotima“ verklärt. Seine Liebe wird erwidert. Der Bankier entlässt ihn deshalb natürlich.
1801 ist er als Hauslehrer in Hauptwil in der Schweiz, 1802 bei einem deutschen Konsul in Bordeaux. Ende Mai wandert er über Paris zurück und trifft Mitte Juni bei Freunden in Stuttgart ein. Dort erreicht ihn die Nachricht vom Tode Susette Gontards, was ihn endgültig aus der Bahn wirft. Seinen Freunden und seiner Familie fallen deutliche Zeichen einer psychischen Krankheit an ihm auf, doch arbeitet er gleichzeitig an der Übersetzung der Dramen des griechischen Dichters Sophokles, die bei einem Frankfurter Verlag erscheinen, der auch einen Gedichtband herausbringen will. Trotz seiner seelischen Zerrüttung lässt er sich von seinem Freund Isaac von Sinclair dazu überreden, eine Stelle als Hofbibliothekar in Homburg zu übernehmen.
Dort verschlechtert sich sein Zustand weiter und er wird schließlich gegen seinen Willen 1806 in eine Klinik in Tübingen eingeliefert, die sich mit psychisch Kranken befasst. 1807 wird er als unheilbar entlassen und dem Tübinger Schreinermeister Ernst Zimmer in Pflege gegeben, der seinen Roman Hyperion begeistert gelesen hatte. Hölderlin ist zu dieser Zeit 37 Jahre alt. Bis zu seinem Tod am 7. Juni 1843 lebt er weitere 36 Jahre im „Tübinger Turm“ am Neckar, der zu Zimmers Haus gehört, schreibt Gedichte und wird von Freunden und Studenten regelmäßig besucht. Auch Hölderlins Werk wird erst nach seinem Tode einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Erst die Nachwelt war fähig und willens, die Lyrik Hölderlins in ihrer Tiefe und Modernität zu verstehen.
Die Weinprobe fand mit anschließendem Vesper als Abschluss dieses gelungenen Tages ab 16:00 Uhr, wiederum im Café, statt. Wir durften leckere Sommerweine aus der Region genießen und erfuhren, dass der Wein in der Dichtung einen festen Platz und Bedeutung hat. Zu Ehren des in Lauffen geborenen Dichters und Denkers, gibt es natürlich auch einen ihm gewidmeten Wein, den Poet.
Die Bahn zeigte sich an diesem Tag auch auf dem Rückweg von ihrer besten Seite und brachte uns von Lauffen wieder pünktlich nach Stuttgart zurück.