Jahresbericht 2025 der Bezirksgruppe Stuttgart beim Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg e. V.
1. Regelmäßige Aktivitäten
Die Bezirksgruppe Stuttgart blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück. Zu den festen Angeboten gehörte zunächst noch das Telefontreffen, das aufgrund sinkender Teilnahmezahlen ab November probeweise vom ersten Dienstag auf den ersten Montag im Monat verlegt wurde. Trotz dieser Änderung blieb das Interesse gering, so dass dieses Angebot, als Vorschau für 2026, zum Ende des Monats März 2026 eingestellt wurde. Ursprünglich als stadtteilspezifisches Format gestartet, entwickelte sich das Telefontreffen im Laufe der Zeit zu einem stadtteilübergreifenden Austausch. Vor allem während der Corona-Zeit war es wichtig, um Isolation entgegenzuwirken und um sich über aktuelle Regelungen und Möglichkeiten austauschen zu können.
2. Wandergruppe
Die Wandergruppe, offen für Mitglieder aller Bezirksgruppen sowie Nicht-Mitglieder und sehende Begleitpersonen, bot auch 2025 ein abwechslungsreiches Programm. Regelmäßige Seniorenwanderungen fanden mittwochs statt, ergänzt durch monatliche Samstagswanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.
Besondere Höhepunkte waren:
- Seniorenwanderung mit Alpakas am 7. Mai in Stuttgart-Stammheim
- Nikolauswanderung mit Jahresabschlussfeier am 3. Dezember
- Tageswanderung Freudenstadt/Baiersbronn mit Besuch der Gartenschau
3. Literaturkreis
Der Literaturkreis „Literarisches Hörkabinett“ traf sich monatlich am letzten Mittwoch in der Stadtbibliothek Stuttgart. 2025 standen u.?a. folgende Werke im Mittelpunkt:
- „Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat“ von Rafik Schami (April)
- „Strafe“ von Ferdinand von Schirach (Mai/Juni)
4. Stammtisch
Der Stammtisch in der Gaststätte „Händel und Gretel“ in Stuttgart-Ost fand jeden zweiten Dienstag im Monat statt. Zwischen 10 und 15 Teilnehmende kamen regelmäßig zu geselligem Austausch zusammen.
5. Hörzeitung „Stuttgarter Wocheninfo“
In Kooperation mit atz Hörmedien erschien auch 2025 die wöchentliche Hörzeitung „Stuttgarter Wocheninfo“. Sie informiert blinde und sehbehinderte Menschen über lokale Ereignisse im Großraum Stuttgart und wird im MP3-Format mit Daisy-Struktur bereitgestellt. Die Aufnahmen werden von ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorlesern erstellt.
Beim Treffen derHörer*I und Leser*I konnten sich die Beteiligten im Sommer 2025 kennen lernen.
Besondere Veranstaltungen 2025
6. Showdown-Schnupperveranstaltung (5. April)
Neun Teilnehmende lernten die Sportart Showdown – auch „Tischball“ oder „Blindentischtennis“ – kennen oder spielten sie erneut. Die Veranstaltung fand in den Räumen der Nikolauspflege statt und bot praktische Einführung, Technikübungen und viel Spaß bei sonnigem Wetter.
7. Besuch im Brezelmuseum (25. April)
Die Bezirksgruppe Stuttgart besuchte das Brezelmuseum in Erdmannhausen. Neben historischen Hintergründen zur über 1.000 Jahre alten Brezel konnten die Teilnehmenden eigene Brezeln formen und backen. Mythen, Legenden und Kunstwerke rund um das Gebäck rundeten den Besuch ab.
8. Mitgliederversammlung (17. Mai)
Die Mitgliederversammlung fand im „Haus am See“ statt. Der Beirat informierte über seine Arbeit sowie Neuerungen aus dem Dachverband. Ein angepasster Ablauf mit späterem Kaffee und Kuchen sowie optionalem Abendessen sorgte für mehr Flexibilität.
9. Jubiläum: 200 Jahre Braille-Schrift
Das bedeutendste Ereignis des Jahres war die große Jubiläumsreihe zum 200. Geburtstag der Braille-Schrift. In Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart, dem Kunstmuseum Stuttgart, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stadtbibliothek wurden mehrere inklusive Veranstaltungen organisiert.
Dazu gehörte der Jubiläumsabend im Literaturhaus am 19. November 2025.
Der Abend begann mit einer Podiumsdiskussion über Geschichte, Bedeutung und Zukunft der Braille-Schrift. Anschließend folgte eine Lesung des Autors, Steffen Schröder und ein Gespräch mit ihm zu seinem Buch „Der ewige Tanz – Über das Leben von Anita Berber“, das eigens in Braille gedruckt worden war und als Patenschaft an die dZB lesen überreicht wurde. Ein Mitglied von Stuttgart trug passend zum Thema einen Auszug aus dem Braillebuch vor.
Die Veranstaltung wurde live audiodeskribiert.
Zur Veranstaltungsreihe gehörten Inklusive Kunstführungen, im Kunstmuseum. Im Rahmen der Ausstellung „Anita Berber – Orchideen“ fanden zwei Führungen mit Bildbeschreibung statt. Kunsthistorikerin Stefanie Alber ermöglichte den Teilnehmenden ein intensives, barrierearmes Kunsterlebnis.
Bei den Stuttgarter Buchwochen wurde Brailleschrift und das vielfältige Angebot der DZB lesen im Haus der Wirtschaft thematisiert.
10. Besuch des Weissenhofmuseums (15. November)
Die Gruppe besuchte die Weissenhofsiedlung und das Weissenhofmuseum, ein bedeutendes Architekturdenkmal und UNESCO-Weltkulturerbe. Modelle der Häuser konnten ertastet werden, und die Führung bot spannende Einblicke in die Wohnkonzepte der 1920er Jahre. Aufgrund der engen Flure und fehlender Barrierefreiheit war der Besuch körperlich anspruchsvoll, aber sehr eindrucksvoll.
Resume und Abschluss
Das Jahr 2025 war geprägt von vielfältigen Aktivitäten, kulturellen Höhepunkten und einem starken Gemeinschaftsgefühl. Besonders die Jubiläumsveranstaltungen zur Braille-Schrift setzten ein wichtiges Zeichen für Inklusion, Kultur und Engagement in der Region Stuttgart. Es zeigte sich praktisch, wie Kunst und Kultur inklusiv funktionieren können.
Danken möchte ich dem Literaturhaus für die großartige Unterstützung bei der Umsetzung. Das Kulturamt hat uns mit der finanziellen Förderung erst zu dieser Möglichkeit verholfen. Die Leibinger Stiftung hat mit ihrer großzügigen Spende, dankenswerter Weise, zusammen mit Spenden aus der Bezirksgruppe Stuttgart, die Umsetzung der Buchpatenschaft für die Dzb lesen ermöglicht.
Nicht zuletzt trug auch vielfältiges ehrenamtliches engagement zum Gelingen der Veranstaltungsreihe bei.
Bericht wurde verfasst von Bianka Haacker (Bezirksgruppenleitung, Stuttgart)